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Strike Distance Condition

8 Minuten Lesezeit

1. Zweck und Überblick #

Die Strike Distance Condition ergänzt den Stop Loss eines einzelnen Short Legs um eine zusätzliche Bedingung auf den Underlying-Preis. Ziel ist es, Ausführungen zu vermeiden, die allein durch einen kurzfristigen, extremen Optionspreis-Peak (Slippage-Event) ausgelöst werden.

Der Stop wird dadurch nicht allein durch den Optionspreis ausgelöst, sondern erst dann, wenn sich auch der Underlying-Preis nahe genug am Short-Strike befindet.

Bei sogenannten Slippage-Events kann es zu sehr schlechten Ausführungen kommen, bei denen insbesondere weit aus dem Geld liegende Optionen zu unverhältnismäßig hohen Preisen ausgestoppt werden. Ziel der Funktion ist es vorrangig, solche irrationalen Preisausführungen bei weit OTM liegenden Short-Optionen zu vermeiden.

Wichtig vorab: Die Strike Distance Condition garantiert keine bessere Ausführung. Solange die Bedingung auf den Underlying-Preis nicht erfüllt ist, wird der Stop später oder gar nicht ausgelöst und die Position bleibt offen. Bei starken Marktbewegungen kann die Ausführung dadurch auch ungünstiger ausfallen als ohne die Funktion. Ausführlich in Kapitel 11.

2. Voraussetzungen #

Die Strike Distance Condition kann nur unter folgenden Voraussetzungen verwendet werden:

  • Das Leg ist entweder ein Short Put oder ein Short Call (funktioniert nicht für Long Legs!)
  • Für dieses Leg ist ein Stop Loss aktiviert und Use REL ist aktiviert.

Die Funktion ist nicht für Long Legs, Combo Stops oder Stop-Regeln auf eine gesamte Leg-Gruppe vorgesehen. Sie ist lediglich für einzelne Short Legs verfügbar.

3. Grundlogik #

Bei einer normalen REL Stop Order wird der Stop ausgelöst, sobald der definierte Stop-Loss-Preis der Option erreicht wird.

Mit aktivierter Strike Distance Condition wird zusätzlich eine Underlying-Bedingung gesetzt. Technisch wird dies über eine Conditional Order in der TWS umgesetzt. Die Stop-Bedingung auf den Optionspreis und die zusätzliche Bedingung auf den Underlying-Preis werden dabei als UND-Verknüpfung hinterlegt.

Die REL Stop Order wird dadurch nur ausgelöst, wenn beide Bedingungen erfüllt sind:

  • Der Optionspreis erreicht den definierten Stop Loss
  • Der Underlying-Preis erreicht die berechnete Auslöseschwelle

Dadurch sollen Ausführungen verhindert werden, bei denen eine weit aus dem Geld liegende Option kurzfristig stark im Preis springt, obwohl der Underlying-Preis den Short-Strike noch nicht wirklich erreicht hat. Zusätzlich berücksichtigt die Logik, dass weit aus dem Geld liegende Optionen häufig weniger liquide sind, während die Liquidität in der Regel zunimmt, je näher sich eine Option am Geld befindet. Die Stop-Auslösung soll daher erst in einem Bereich erfolgen, in dem eine Ausführung marktlogisch plausibler ist.

Die Auslöseschwelle ist kein fester Wert. Die OptionsApp berechnet sie minütlich neu und passt die Conditional Order an, sobald sich der Wert ändert. Bleibt der Wert gleich, bleibt auch die Order unverändert. Je nach Marktlage kann eine Anpassung mehrmals in der Stunde vorkommen oder über Stunden ausbleiben. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass die OptionsApp läuft und mit der TWS verbunden ist. Ist sie geschlossen oder die Verbindung unterbrochen, findet keine Neuberechnung statt.

Achtung: Durch die zusätzliche Underlying-Bedingung ist es denkbar, dass es in Einzelfällen auch zu einer späteren Auslösung des Stop Loss kommen kann. Dies ist insbesondere denkbar, wenn der Optionspreis bereits nachhaltig über dem Stop-Loss-Wert liegt, die berechnete Auslöseschwelle im Underlying aber noch nicht erreicht wurde. Wird diese Schwelle erst später erreicht, kann die Ausführung unter bestimmten Marktbedingungen schlechter ausfallen als bei einer REL Stop Order ohne Strike Distance Condition.

4. Berechnungslogik der Auslöseschwelle #

Diese Schwelle, ab der die REL Stop Order ausgelöst wird, wird nicht fix eingetragen, sondern dynamisch aus der aktuellen Optionskette abgeleitet.

Dafür wird zunächst ein Referenzpreis berechnet. Dieser ergibt sich aus dem definierten Stop Loss des Short-Legs und dem eingestellten Factor.

Beispiel:

Stop Loss × Factor = Referenzpreis

Bei einem Stop Loss von 5,00 $ und einem Factor von 0,50 ergibt sich ein Referenzpreis von 2,50 $.

Anschließend sucht die OptionsApp in der Optionskette den Strike, dessen Optionspreis diesem Referenzpreis am nächsten liegt. Aus diesem gefundenen Referenz-Strike und dem aktuellen Underlying-Preis wird eine Distanz berechnet. Diese Distanz zeigt, wie weit der Markt aktuell von dem Bereich entfernt ist, in dem eine Option ungefähr den Referenzpreis erreicht.

Diese Distanz wird minütlich neu berechnet. Damit einzelne kurzfristige Preis-Peaks die Auslöseschwelle nicht sofort stark verschieben, wird über die letzten Minuten ein Median gebildet. Der Zeitraum dafür wird über den Parameter Median over definiert.

Die finale Distanz ergibt sich aus dem größeren Wert von:

berechnete Median-Distanz
und
Min. distance

Diese finale Distanz wird anschließend auf den tatsächlichen Short-Strike angewendet. Daraus entsteht die Auslöseschwelle für die Conditional Order.

Bei einem Short Put liegt diese Schwelle oberhalb des Short-Strike.
Bei einem Short Call liegt diese Schwelle unterhalb des Short-Strike.

5. Parameter #

Min. distance #

Min. distance definiert den Mindestabstand der Auslöseschwelle zum Short-Strike.

Die verwendete Distanz ergibt sich aus:

max(berechnete Distanz, Min. distance)

Ein geringerer Wert führt dazu, dass die Stop-Auslösung erst näher am Short-Strike zugelassen wird. Kurzfristige Preis-Peaks wirken sich dadurch seltener aus, gleichzeitig kann der Stop aber auch später oder gar nicht ausgelöst werden.

Ein höherer Wert sorgt dafür, dass die Stop-Auslösung bereits weiter aus dem Geld zugelassen wird. Dadurch kann der Stop früher greifen, gleichzeitig steigt jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, dass weit aus dem Geld liegende und tendenziell weniger liquide Optionen durch kurzfristige Preis-Peaks ausgestoppt werden.

Der Factor muss kleiner als 1 sein, die OptionsApp lässt höchstens 0,95 zu. Das liegt in der Konstruktion: Der Referenzpreis ist ein Anteil des Stop Loss, und nur solange er darunter liegt, bleibt bis zum eigentlichen Stop-Loss-Preis ein Spielraum, in dem die REL Stop Order freigegeben werden kann. Bei einem Factor von 1 läge die Auslöseschwelle erst dort, wo die Option den Stop-Loss-Preis unter normalen Marktbedingungen bereits erreicht hat. Dieser Spielraum entfiele damit, und der Stop würde später ausgelöst als beabsichtigt.

Median over #

Median over legt fest, über wie viele Minuten die berechneten Distanzen betrachtet werden.

Die Mittelung dient dazu, die normale bzw. plausible Preisstruktur der Optionskette über die letzten Minuten zu erfassen. Dadurch wird nicht nur ein einzelner Moment betrachtet, in dem möglicherweise gerade ein kurzfristiger Preis-Peak auftritt.

Die OptionsApp berechnet die Distanz minütlich neu. Aus den letzten Werten wird der Median gebildet. Der Median wird verwendet, damit einzelne extreme Ausreißer nicht sofort die Auslöseschwelle verschieben.

Beispiel bei 5 Minuten:

10, 10, 10, 35, 55

Der Median ist 10. Die beiden hohen Ausreißer beeinflussen die Auslöseschwelle dadurch nicht direkt.

Je höher der Wert gewählt wird, desto träger reagiert die Auslöseschwelle auf kurzfristige Veränderungen. Je niedriger der Wert gewählt wird, desto schneller passt sich die Auslöseschwelle an die aktuelle Marktsituation an.

Factor #

Der Factor bestimmt, welcher Anteil des Stop Loss für die Suche nach dem Referenz-Strike verwendet wird.

Beispiel:

  • Stop Loss: 5,00 $
  • Factor: 0,50
  • Referenzpreis: 2,50 $

Die OptionsApp sucht dann in der Optionskette den Strike, dessen Optionspreis dem Wert von 2,50 $ am nächsten liegt.

Ein kleinerer Factor führt dazu, dass ein niedrigerer Referenzpreis gesucht wird. Dieser liegt dann noch weiter aus dem Geld, wodurch die berechnete Distanz größer wird. Dadurch wird die Stop-Auslösung tendenziell früher zugelassen und die Wirkung der Bedingung geringer.

Ein größerer Factor führt dazu, dass ein höherer Referenzpreis gesucht wird. Dieser liegt in der Regel näher am aktuellen Underlying-Preis, wodurch die berechnete Distanz kleiner wird. Dadurch wird die Stop-Auslösung tendenziell erst näher am Short-Strike zugelassen und die Wirkung der Bedingung stärker.

6. Logik bei Short Put #

Bei einem Short Put liegt die Auslöseschwelle oberhalb des Short-Strike. Der Stop wird damit erst freigegeben, wenn der Underlying-Preis auf diese Schwelle fällt.

Die Auslöseschwelle wird wie folgt gesetzt:

Short-Put-Strike + Distanz

Beispiel:

  • Short Put Strike: 6500
  • Verwendete Distanz: 25 Punkte
  • Auslöseschwelle: 6525

Die REL Stop Order kann erst ausgelöst werden, wenn der Underlying-Preis auf oder unter 6525 fällt und gleichzeitig der Optionspreis den Stop Loss erreicht.

7. Logik bei Short Call #

Bei einem Short Call liegt die Auslöseschwelle unterhalb des Short-Strike. Der Stop wird damit erst freigegeben, wenn der Underlying-Preis auf diese Schwelle steigt.

Die Auslöseschwelle wird wie folgt gesetzt:

Short-Call-Strike - Distanz

Beispiel:

  • Short Call Strike: 6500
  • Verwendete Distanz: 25 Punkte
  • Auslöseschwelle: 6475

Die REL Stop Order kann erst ausgelöst werden, wenn der Underlying-Preis auf oder über 6475 steigt und gleichzeitig der Optionspreis den Stop Loss erreicht.

8. Beispiel mit typischen Einstellungen #

Folgende Einstellungen dienen nur als Beispiel:

  • Min. distance: 10
  • Median over: 5min
  • Factor: 0,50

Angenommen, ein Short Put hat folgende Werte:

  • Short Put Strike: 6500
  • Stop Loss: 5,00 $
  • Factor: 0,50

Daraus ergibt sich:

5,00 $ × 0,50 = 2,50 $

Die OptionsApp sucht nun in der Put-Optionskette den Strike, dessen Preis auf Basis der Stop-Loss-Trigger-Basis möglichst nah bei 2,50 $ liegt.

Angenommen, dieser Referenz-Strike liegt bei 6535 und der aktuelle Underlying-Preis liegt bei 6560.

Die berechnete Distanz beträgt:

6560 - 6535 = 25 Punkte

Da die Min. distance 10 Punkte beträgt, wird die größere Distanz verwendet:

max(25, 10) = 25

Die Auslöseschwelle für den Short Put liegt damit bei:

6500 + 25 = 6525

Die REL Stop Order wird erst aktiv, wenn der Underlying-Preis auf oder unter 6525 fällt und gleichzeitig der Optionspreis den Stop Loss erreicht.

Die Logik dahinter:
Der Referenz-Strike 6535 zeigt in diesem Beispiel den Bereich, in dem eine vergleichbare Option aktuell ungefähr 2,50 $ wert ist. Wenn sich der Underlying-Preis später bis auf dieselbe Distanz von 25 Punkten an den tatsächlichen Short-Put-Strike annähert, wird angenommen, dass der Short Put bei sonst vergleichbaren Marktbedingungen ebenfalls ungefähr in diesem Preisbereich liegen müsste. Da 2,50 $ in diesem Beispiel erst der Hälfte des Stop Loss von 5,00 $ entsprechen, bleibt bis zum eigentlichen Stop-Loss-Preis noch zusätzlicher Spielraum. Deshalb wird die REL Stop Order erst ab dieser Underlying-Schwelle aktiviert.

9. Zusammenspiel mit REL Order und REL Limit #

Die Strike Distance Condition ersetzt weder den Stop Loss noch das REL Limit.

Sie ergänzt lediglich die Aktivierungsbedingung der Conditional REL Stop Order.

Das bedeutet:

  • Der Stop Loss definiert weiterhin den Optionspreis, ab dem eine Schließung ausgelöst werden soll.
  • Die Strike Distance Condition definiert zusätzlich, ab welchem Underlying-Preis der Stop überhaupt aktiv werden darf.
  • REL Offset und REL Limit bestimmen weiterhin, wie die Schließorder preislich ausgeführt wird. Siehe dazu: Was ist eine REL Order?

10. Nachvollziehbarkeit im Trade Log #

Die Berechnung der Strike Distance Condition wird im Trade Log dokumentiert.

Dort kann nachvollzogen werden:

  • welcher Referenzpreis verwendet wurde
  • welcher Referenz-Strike gefunden wurde
  • welche Distanz berechnet wurde
  • welche Auslöseschwelle für die Conditional Order gesetzt wurde

11. Hinweise und Risiken #

Die Strike Distance Condition reduziert das Risiko, dass eine Short-Option durch einen kurzfristigen Optionspreis-Peak mit hoher Slippage ausgestoppt wird.

Die Funktion garantiert jedoch keine bessere Ausführung in jeder Marktsituation. Ein Stop kann durch die zusätzliche Underlying-Bedingung später ausgelöst werden. Solange der Underlying-Preis die Auslöseschwelle nicht erreicht, wird der Stop gar nicht ausgelöst und die Position bleibt offen, auch wenn der Optionspreis den Stop Loss deutlich überschritten hat. Bei mehrtägigen Trades kann sich das über den Handelstag hinaus fortsetzen. Bei starken Marktbewegungen kann dadurch auch eine ungünstigere Ausführung entstehen als ohne Strike Distance Condition.

Die Auslöseschwelle wird nur neu berechnet, solange die OptionsApp läuft und mit der TWS verbunden ist. Ohne diese Verbindung findet keine Anpassung mehr statt, und die zuletzt gesetzte Schwelle passt unter Umständen nicht mehr zur aktuellen Marktlage.

Die Funktion sollte daher nur verwendet werden, wenn die Logik vollständig verstanden wurde und ein klares Bewusstsein für die damit verbundenen Risiken besteht. Die Auswirkungen der Parameter müssen zur jeweiligen Strategie, zum Underlying, zur Laufzeit und zum eigenen Risikomanagement passen.