Optionen auf den ES-Future: Handelszeiten, Konfiguration und Stops
1. Überblick
Optionen auf den ES-Future können nahezu rund um die Uhr gehandelt werden. Dadurch unterscheiden sich Handelszeiten sowie einige Stop- und Exit-Funktionen vom Handel mit SPX- oder Aktienoptionen.
Dieser Artikel beschreibt die wichtigsten Besonderheiten bei der Konfiguration und beim Handel von ES-Future-Optionen in der OptionsApp.
2. Handelszeiten und Handelstag
Die ES-Session beginnt um 18:00 Uhr US Eastern Time (New York) am Vorabend und endet am folgenden Tag um 17:00 Uhr. Zwischen 17:00 und 18:00 Uhr findet die tägliche Handelspause statt.
Die reguläre Handelszeit des ES beginnt um 09:30 Uhr und endet um 17:00 Uhr. Die reguläre Handelszeit des ES ist also eine Stunde länger als die reguläre Handelszeit sonst an der US-Börse.
Bei Optionen auf Futures gibt es innerhalb der laufenden Session keine separate nachbörsliche Zeit. Außerhalb der regulären Handelszeit besteht der wesentliche Unterschied in der Liquidität. Quotes können deutlich dünner oder zeitweise nur einseitig sein.
Entscheidend ist außerdem die Zuordnung zum Handelstag: Die um 18:00 Uhr beginnende Session gehört bereits zum folgenden Handelstag.
Ein am Montag um 18:30 Uhr eröffneter Trade ist daher ein Dienstags-Trade. Im Dashboard wird dieser Trade unter Dienstag geführt. Diese Zuordnung gilt ebenfalls für Wochentagsfilter, DTE und den Tageszähler für die maximale Anzahl an Ausführungen.
In Deutschland beginnt die neue Session normalerweise um 00:00 Uhr. Für einen Dienstags-Trade kann daher in der Dienstagszeile direkt 00:00 als „Exec. Time“ eingetragen werden.
Wichtig: 17:00 Uhr New Yorker Zeit ist das Session-Ende und nicht der Beginn der nächsten Session. Danach folgt die tägliche Handelspause.
3. Konfiguration in der OptionsApp
Für den Handel außerhalb der regulären Handelszeit sind vier Schritte erforderlich:
- In der Underlying-Auswahl nach „ES“ suchen und Weekly, Monthly oder All auswählen. (WICHTIG: Bitte darauf achten auch wirklich den Futures auszuwählen. Es gibt auch eine Aktie mit dem Tickersymbol ES.)
- Im Trade Template „Use Ext. Hours Orders“ aktivieren.
- In der Konfiguration die gewünschte Uhrzeit unter „Exec. Time“ in der eingestellten Zeit eintragen.
- Im Benutzerportal die Freischaltung "Orders außerhalb der regulären Handelszeiten" erteilen, siehe Freischaltungen im Benutzerportal.
Die OptionsApp erkennt automatisch, welchem Handelstag die eingetragene Uhrzeit zugeordnet werden muss.
Liegt eine konfigurierte Uhrzeit außerhalb der Session, innerhalb der täglichen Pause oder fehlt „Use Ext. Hours Orders“ im verwendeten Trade Template, erscheint direkt in der Konfiguration ein entsprechender Hinweis.
Liegt die Ausführungszeit nach lokalem Kalender am Vorabend, kennzeichnet die OptionsApp die Uhrzeit zusätzlich mit einer Mondsichel und „(day before)“.
Im Dashboard erscheint der Trade unabhängig davon immer unter dem zugehörigen Handelstag.
Der Marktstatus kann beim ES folgende Zustände anzeigen:
OPEN: Reguläre Handelszeit
OPEN (Ext.): Laufende Session außerhalb der regulären Handelszeit
CLOSED: Tägliche Pause oder Wochenende
OPEN (Ext.) ist beim ES aufgrund der langen Session ein regulärer Zustand und stellt keine Störung dar.
3.1 Wann ein ES-Trade außerhalb der regulären Handelszeit eröffnet wird
Liegt die Exec. Time außerhalb der regulären Handelszeit, eröffnet die OptionsApp den Trade nur, wenn zu diesem Zeitpunkt die Session läuft (Marktstatus OPEN (Ext.)) und alle vier Schritte oben erledigt sind. Andernfalls wird der Trade nicht eröffnet:
- Tägliche Pause oder Wochenende: Der Marktstatus ist CLOSED. Die OptionsApp bricht den Trade ab und setzt ihn auf CANCELED. Die Konfiguration weist schon beim Eintragen der Uhrzeit darauf hin.
- "Use Ext. Hours Orders" fehlt im Trade Template: Der Trade wird außerhalb der regulären Handelszeit nicht eröffnet.
- Freischaltung fehlt: Ein Trade Template mit "Use Ext. Hours Orders" lässt sich ohne die Freischaltung nicht speichern. Ein früher gespeichertes Template eröffnet ohne sie keinen Trade.
- Entry Condition: Ist dem Trade eine Entry Condition zugeordnet, muss sie außerhalb der regulären Handelszeit prüfbar sein, siehe 3.2.
3.2 Entry- und Exit-Conditions außerhalb der regulären Handelszeit
Entry- und Exit-Conditions prüft die OptionsApp außerhalb der regulären Handelszeit nur, wenn im Dialog der jeweiligen Condition der Haken "Include ext. hours" gesetzt ist. Der Haken erscheint nur bei Strategien auf den ES-Future, gilt für alle Zeilen der Condition und ist zu Beginn nicht gesetzt. Für Webhook-Conditions gibt es ihn nicht.
Wann eine Condition geprüft wird:
- Reguläre Handelszeit (OPEN): immer, mit und ohne Haken.
- Übrige Session (OPEN (Ext.)): nur mit Haken.
- Tägliche Pause und Wochenende (CLOSED): nie.
Ohne Haken hat das außerhalb der regulären Handelszeit folgende Wirkung:
- Entry Condition als Filter: Sie wird zur Exec. Time nicht ausgewertet. Die OptionsApp eröffnet den Trade nicht und setzt ihn auf CANCELED, die Meldung lautet "Entry condition not evaluable".
- Entry Condition als Trigger: Die Prüfung beginnt erst mit der regulären Handelszeit. Endet das Zeitfenster bis zum Exec. Timeout vorher, wird der Trade nicht eröffnet.
- Exit Condition: Sie löst außerhalb der regulären Handelszeit nicht aus. Die Prüfung setzt mit Beginn der regulären Handelszeit wieder ein.
Der Haken ändert auch die Berechnung: Mit Haken rechnet die Condition mit Minutenkursen über die gesamte Session, ohne Haken nur mit Kursen der regulären Handelszeit. Das gilt rund um die Uhr, also auch tagsüber. Ein EMA über die gesamte Session liefert andere Werte als ein EMA, der nur die reguläre Handelszeit berücksichtigt. Wer den Haken bei einer bestehenden Condition setzt, ändert damit ihre Signale. Welche Kurse außerhalb der regulären Handelszeit vorliegen, hängt davon ab, was der Broker für das jeweilige Instrument liefert.
Nutzt das Trade Template "Use Ext. Hours Orders" und fehlt der Haken an einer zugeordneten Condition, zeigt die Konfiguration in der Spalte Entry Condition bzw. Exit Condition ein Warnsymbol. Der Hinweis dazu empfiehlt, "Include ext. hours" an der Condition zu setzen.
4. Stops und Exits
Beim ES ist zwischen Orders zu unterscheiden, die direkt bei IB liegen, und Funktionen, die von der OptionsApp selbst ausgewertet werden.
Bei IB hinterlegt
Von der OptionsApp ausgewertet
- Early Exit
- Exit when Delta
- Exit when Short/Long Ratio
- Entry- und Exit-Conditions
Ein Stop Loss wird beim ES als Stop-Market-Order beim Broker hinterlegt und kann auch außerhalb der regulären Handelszeit aktiv sein. Dies gilt auf Leg-, Gruppen- und Combo-Ebene.
REL Orders sind bei Optionen auf den ES-Future nicht möglich, weil Interactive Brokers diesen Ordertyp für Optionen auf Futures nicht anbietet. Das Trade Template zeigt beim Stop Loss die Option "Use REL" deshalb nicht an.
Auch Early Exit sowie Delta- und Ratio-Exits können während der erweiterten ES-Session ausgewertet werden. Da diese Funktionen von der OptionsApp gesteuert werden, muss die App laufen und die benötigten Marktdaten müssen verfügbar sein.
Fehlen beispielsweise aktuelle Greeks oder geeignete Quotes, findet die entsprechende Prüfung nicht statt. Die OptionsApp handelt nicht auf Daten, die ihr nicht zur Verfügung stehen.
4.1 Early Exit und Extended Hours
Beim Early Exit ist entscheidend, ob im verwendeten ES-Options-Template „Use Ext. Hours Orders“ aktiviert ist.
Ist „Use Ext. Hours Orders“ nicht aktiviert, bezieht sich der Early Exit ausschließlich auf die regulären Handelszeiten. Angaben wie „30 Minuten nach Eröffnung“ oder „30 Minuten vor Schließung“ orientieren sich dann an Beginn und Ende der regulären Handelszeit.
Ist „Use Ext. Hours Orders“ aktiviert, wird beim ES dagegen die gesamte erweiterte ES-Handelszeit berücksichtigt. Der Early Exit orientiert sich dann am Beginn und Ende der vollständigen ES-Session.
Beispiel: Bei aktiviertem „Use Ext. Hours Orders“ bedeutet „30 Minuten nach Eröffnung“ beim ES 30 Minuten nach Session-Beginn um 18:00 Uhr New Yorker Zeit. Ohne aktivierte Extended Hours bezieht sich dieselbe Einstellung auf den Beginn der regulären Handelszeit um 09:30 Uhr.
5. Wichtige Besonderheiten
Außerhalb der regulären Handelszeit kann die Liquidität deutlich geringer sein. Ein Stop kann auf einem Kurs auslösen, obwohl kein entsprechend handelbarer Markt vorhanden ist. Umgekehrt kann er aufgrund fehlender geeigneter Marktdaten auch nicht auslösen.
Funktionen, die von der OptionsApp selbst ausgewertet werden, benötigen eine laufende Anwendung und verfügbare Daten. Beim Broker hinterlegte Orders bleiben davon grundsätzlich unberührt.
Während der ES-Session können außerdem durch regelmäßige technische Resets von Interactive Brokers kurzzeitig Verbindung oder Marktdaten ausfallen.
Besonders wichtig ist der Verfall: Läuft eine ES-Future-Option im Geld aus, ohne vorher geschlossen zu werden, kann daraus eine Position im ES-Future im Konto entstehen. SPX-Optionen werden dagegen in Cash abgerechnet.
Am Verfallstag endet der Handel der verfallenden ES-Weekly bereits um 16:00 Uhr New Yorker Zeit und damit eine Stunde vor dem regulären Session-Ende.
5.1 Wechsel auf den nächsten Kontraktmonat
Eine Strategie auf den ES bezieht sich immer auf einen bestimmten Kontraktmonat des Futures. Am letzten Handelstag dieses Kontrakts stellt die OptionsApp die Strategie selbst auf den nächsten Kontraktmonat um, den Interactive Brokers listet. Ein Eingriff ist dafür nicht nötig.
Den letzten Handelstag entnimmt die OptionsApp den Kontraktdaten von Interactive Brokers. Sie prüft ihn beim Start der Strategie und danach zu jeder vollen Stunde. Läuft die OptionsApp und ist sie mit der TWS verbunden, erfolgt der Wechsel deshalb am letzten Handelstag um 00:00 Uhr UTC, in Deutschland um 01:00 Uhr (Sommerzeit 02:00 Uhr). Andernfalls holt sie den Wechsel bei der nächsten Prüfung nach.
Mit dem Kontraktmonat wechseln Kurs, Handelszeiten und Optionsketten der Strategie. Conditions, die sich auf den bisherigen Kontrakt beziehen, zeigen danach auf den neuen. Trade Templates, Zeitpläne und Conditions bleiben erhalten. Bestehende Positionen verändert die OptionsApp beim Wechsel nicht.
Den Wechsel meldet die OptionsApp mit "Underlying future rolled to the next month"; die Meldung nennt den alten und den neuen Kontrakt. Findet sie keinen Nachfolger, erscheint die Warnung "Underlying future expired - no successor".
6. Unterschiede zu SPX
Session: ES: ca. 23 Stunden. SPX / Aktienoptionen: Reguläre Handelszeit
Erweiterte Handelszeit in der OptionsApp: ES: Ja. SPX / Aktienoptionen: Nein
Abrechnung bei Verfall: ES: Future-Position möglich. SPX / Aktienoptionen: Cash bei SPX / Aktien bei Aktienoptionen
Stop Loss mit Ext. Hours: ES: Auf allen Ebenen möglich. SPX / Aktienoptionen: Eingeschränkt
Delta-, Ratio- und Strike-Offset-Exit außerhalb der regulären Zeit: ES: Möglich. SPX / Aktienoptionen: Gesperrt
Die Sonderbehandlung ergibt sich aus dem gewählten Underlying ES. Für eine Ausführung außerhalb der regulären Handelszeit muss im Trade Template zusätzlich „Use Ext. Hours Orders“ aktiviert sein.